Die kaufmännische Berufsbildung blickt auf über 130 Jahre Geschichte zurück. Ein stolzes Alter, auch wenn der Beruf «Kaufmann» schon wesentlich länger existiert. Gerade jetzt, wo sich die kaufmännische Berufsbildung wieder in einem grösseren Wandel befindet, blicken wir zurück auf die Grundsteine unseres Berufs. Ein Beruf der früher nur von Männern ausgeübt werden durfte und heute ein fester Bestandteil unserer Wirtschaft – und aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist.
Ältester Beruf der Welt
Der Beruf «Kaufmann» gilt als eines der ältesten Berufe der Welt. Den Beruf gibt es seit Menschen gelernt haben Handel zu treiben und für Waren zu bezahlen. Die Voraussetzungen für einen guten Kaufmann waren früher ähnlich wie heute. Sie mussten schreiben und rechnen können und über ein Talent im Umgang mit Menschen verfügen. Der persönliche Kontakt war damals noch wichtiger als heute, denn lange Zeit wurden Handels- und Tauschgeschäfte immer persönlich gemacht. In der Schweiz entstanden erste Zusammenschlüsse von Kaufleuten im Jahre 1336.
Die Geburt der kaufmännischen Ausbildung
In den grösseren Städten der Schweiz begannen um 1860 junge Kaufleute regelmässig ihre Erfahrungen mit Handelsgeschäften auszutauschen. Aus diesen Treffen bildeten sich nach und nach verschiedene Vereine junger Kaufleute – so auch in Zürich. Der Kaufmännische Verein Zürich wurde im Jahre 1861 gegründet und gewann immer mehr an Bedeutung. Im Jahre 1887 wurde dann die Handelsschule des Kaufmännischen Vereins gegründet, heute bekannt als die Wirtschaftsschule KV Zürich. Dies war die Geburt der kaufmännischen Ausbildung.
Lehrabschlussprüfung im 19./20. Jahrhundert
Die Handelsschule war zu Gründungszeiten nicht sehr gut besucht, zumal Frauen auch einen sehr schweren Stand in diesem Beruf hatten. Nicht alle Lehrbetriebe wollten ihre Lernenden während der Geschäftszeit für 4 Stunden Unterricht freigeben. Dies war der Grund warum im Jahre 1897 nur 22 von rund 560 Schülern die Lehrlingsprüfung, heutiges Qualifikationsverfahren, absolvierten. Erst als das kantonale Lehrlingsgesetz 1906 angenommen wurde, galten der Berufsschulunterricht sowie die Lehrabschlussprüfung als obligatorisch. Ein weiterer historischer Augenblick in diesem Jahr war, dass die Schule nun auch für Lehrtöchter zugänglich wurde.
Die Schule und ihre Standorte
Mit rund 1’400 Schülerinnen und Schülern zog die Handelsschule im Jahre 1915 in das damals neu renovierte Kaufleuten Gebäude an der Pelikanstrasse. Heute werden diese Räumlichkeiten natürlich nicht mehr als Schulzimmer genutzt, sondern dienen dem Kaufmännischen Verband Zürich als Büroräume. Da die Anzahl der Lernenden stetig stieg, musste allerdings schon bald eine neue Lösung gefunden werden. Das Schulhaus am Escher-Wyss-Platz wurde 1974 erbaut und ist auch heute noch Standort der Wirtschaftsschule KV Zürich – aktuell mit 4’500 Lernenden.
Der Lohn im Wandel der Zeit
Ein/e KV-Absolvent/in verdiente zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch lange nicht wie heute. Der Mindestlohn nach einer 3-jährigen Lehre betrug CHF 200.00. Der Lohn wurde selbstverständlich laufend angepasst und betrug Mitte der 80er Jahre bereits CHF 2400.00. Heute sind die Mindestlöhne natürlich deutlich höher. Bei einer Lehre gibt das Gesetz auch heute keinen Mindestlohn vor. Wie viel Lohn ein/e Lernende/r am Ende des Monats erhält, verhandelt die lernende Person mit dem zukünftigen Lehrbetrieb vor Unterzeichnung des Lehrvertrags. Als aktiver Sozialpartner setzt sich der Kaufmännische Verband auch für faire Löhne während der Lehre ein und gibt jährlich Lohnempfehlungen für Lernende sowie für Praktikant/innen heraus.
Back to the present – die KV-Lehre als Grundstein für Ihre Karriere
Wir sind neugierig! Welchen Karriereweg haben Sie mit der KV-Lehre als Basis eingeschlagen?
Dienstag, 12. November 2019 | 18:40
Walter Senn
Ich habe meine KV-Lehre bei einem roten Discounter gemacht und hier gelernt, wie das Verkaufspersonal arbeitet.
Im Anschluss habe ich (mit mehreren Anläufen) beim KV Zürich das Eidg. Buchhalter/Controller Diplom bestanden und bei einem Versicherungskonzern im Bereich Hauptbuch und später Group Reporting mein Wissen anwenden und vertiefen können.
Noch heute weiss ich, wie man eine Zinsstaffel rechnet und worauf man beim Lesen und Erstellen einer Statistik achten muss. Meinem ehemaligen Statistiklehrer bin sehr dankbar.
Mittwoch, 13. November 2019 | 15:13
Sabrina Kindschi
Herzlichen Dank für Ihren spannenden Kommentar Herr Senn.
Sie haben ohne Frage einiges aus Ihrer kaufmännischen Grundbildung gemacht und sprechen ein sehr wichtiges Thema an: Weiterbildung. Sowohl im Rahmen eines Lehrgangs, als auch «on the job». Es ist schön zu lesen, dass die KV-Lehre Ihre berufliche Laufbahn positiv beeinflusst hat, und dass Sie sich heute noch gerne daran zurückerinnern.